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Erinnerungsspuren 1918-2018: Markthalle



Markthalle, 1918
Ich stelle mir vor, dass ich dort bin. Es gibt hier sehr viele Menschen. Man kann hier verschiedene Sprachen hören. Das sind z. B. deutsche, bosnische Sprachen, jiddisch. Es gibt auch viele Farben. Das Wetter ist sehr schön und man kann auch spazieren gehen. Hier herrscht eine besondere Atmosphäre. Leute kaufen hier Milch, Fleisch, verschiedene Kräuter. Sie besprechen etwas, manchmal streiten sie. Hier befindet sich auch die Straßenbahn. Die erste Straßenbahn. Ich wundere mich, dass die Leute ohne Schuhe fahren. Warum denn so? Einfach. Das gefällt ihnen. Alles, was sie machen, gefällt ihnen. Kleidung. Sie sehen ganz unterschiedlich aus. Einige tragen arme Klamotten und andere besondere Kleidung. Markthalle. Ein Platz, der nie still wird…

Iryna Lisngowska


Markthalle, 2018
Ein altes Bild in meiner Hand, was ist das? Es steht geschrieben: Markthalle. Nein? Wirklich? Ja, die Markthalle, aber heute ist alles anders. Andere Menschen, andere Kleider, Zeit, Umgebung. Ich kann es kaum glauben und doch ist es nichts so Unglaubliches. Veränderungen kann man nicht verhindern, aber die Markthalle hat es geschafft mit der Zeit einen Kampf anzufangen und ihn zu gewinnen. Sie steht noch, in all ihrem Glanz, aber ihre Umgebung, jene, welche sie wie eine zu heiße Decke umhüllt, sie ist anders. Kaffeehäuser, eine Bank, eine weitere Bank. Die Halle scheint in ihrer neuen Kleidung. Das Gelb lässt nicht zu, dass man sie als etwas Gewöhnliches aufnimmt, als einen normalen Raum, wo man seine Ware verkauft. Jetzt bin ich in der Nähe, steige die alt-neuen Stufen auf, da stehen die schweren Türen, die man so oder so schieben kann, die Halle erwartet einen. Hinein in die Menschenmenge und das Echo wird immer lauter, die Gerüche sind neu und doch bekannt: Fleisch, Milchprodukte; Farben sind auch da: Rosa, Weiß und wieder Weiß, wieder? Die Wände erzählen ihre eigenen Geschichten, denn sie hören täglich etwas, was dort verschiedene Stimmen hinterlassen. Sie saugen jedes Wort auf, jeden Ton, auch denjenigen, den die Menschen selbst nicht aufnehmen. Die Halle ist ruhig, jedoch sagt sie so vieles, kreischt! Fragt sich, ob sie auch morgen gelb sein und ihr Fleisch und Milchprodukte verkaufen wird. Diese Angstgefühle teile ich auch.

Zerina Polutak
 


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